Evangelische Kirchengemeinde Köngen
 
 
 
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20210731
31.07.2021
Konfirmation − gut angezogen für den Schritt zum Erwachsenwerden und fürs Erwachsensein
Ansprache beim Konfirmationsgottesdienst 31. Juli 2021
Liebe Festgemeinde,
liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
was soll ich nur anziehen?
Diese Frage stellt sich immer wieder. Manche und mancher steht jeden Morgen vor dem Schrank und fragt sich so: was soll ich nur anziehen? Ich habe nichts zum Anziehen! Das kann angesichts des gefüllten Schrankes nicht wirklich stimmen. Aber da ist einfach immer wieder das Gefühl: in meiner Kleidung will ich mich wohl und sicher fühlen, dann kann ich anderen und den Herausforderungen des Tages ohne Angst begegnen.
Was soll ich nur anziehen zu meiner Konfirmation? Die schwarze Samthose war damals bei meiner Konfirmation schnell gefunden. Aber was noch dazu außer einer schicken weißen Bluse − da suchte ich lange. Am Ende wurde es dann ein schwarzer Samtbolero.
Was soll ich nur anziehen für diesen Tag, wo ich diesen wichtigen Schritt im Erwachsenwerden tue? Ihr habt euch schick gemacht für heute, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, Und alle anderen auch, um mit euch dieses Fest zu feiern. Andere mussten ein Dutzend Kleider kommen lassen, bis da so das richtig Passende dabei war. Ja auch beim Kleiderkauf machte die Pandemie das Leben einerseits schwerer aber andererseits auch leichter, denn im Konfis musste weniger gelernt werden wie sonst und die Gottesdienste waren kürzer.
Und dann noch Schuhe dazu − manche durchaus auch mit höherem Absatz − zunächst noch ganz ungewohnt.
Gewachsen seid ihr in den letzten Monaten − manch einer körperlich um deutlich mehr als einen Kopf. Und manche heute nun zum ersten Mal im Anzug − eine Kleidung, die äußerlich das Erwachsenwerden widerspiegelt. Ich wünsche euch, dass es sich auch innerlich gut anfühlt und euch die Kleidung auch Halt und Sicherheit gibt. Die Kleidung kommt unserer Haut am nächsten. Sie umhüllt uns, sie schützt und wärmt oder kühlt.
Und sie muss passen, sonst fühlen wir uns nicht wohl. Heute an eurem besonderen Festtag wünsche ich euch: ihr sollt euch wohl fühlen in eurer Kleidung.
Mit unserer Kleidung zeigen wir uns nach außen. Sie sagt etwas über uns aus.
„Kleider machen Leute“, sagt eine alte Redewendung. Und das ist gut so. Immer wieder stehe ich vor dem Kleiderschrank und frage mich: Was soll ich heute anziehen?
Die Wahl fällt manchmal ganz bewusst, weil das, was ich anziehe, etwas mit mir macht. Ich kann selbstbewusster auftreten bei einer Begegnung, wenn ich schicke Kleidung trage − es stehen ja bald auch weitere Bewerbungsgespräche an!
Oder ich kann mich in eine fröhliche Stimmung versetzen mit bunten Klamotten oder auch mal bewusst schwarz tragen, an Tagen, wo ich traurig bin und nicht so gut drauf. Mir tut Trauerkleidung in manchen Zeiten gut, wenn ich nicht so funktionieren kann und will, weil mein Inneres verwundet ist.
Heute will ich euch von einer zusätzlichen Kleidung erzählen − einer unsichtbaren − die auch Wirkung zeigen kann, wenn wir uns ihrer bewusst werden. Und ich kann euch sagen − auch für die Zukunft: Ihr seid sehr gut angezogen! Ihr habt eine Kleidung an, die zeigt, dass ihr wunderschön seid, das sollen Jungen und Mädchen heute ja sein wird uns von außen signalisiert. Ihr habt etwas an, das euch Halt gibt; eine Kleidung, die euch nicht einengt, die mitwächst, die sich auch wandelt im Laufe des Erwachsenwerdens aber sich nicht abnutzt.
Was das wohl für eine Kleidung ist? Der Apostel Paulus verwendet das Bild der Kleidung, um auszudrücken, wie nahe euch und uns Christus ist. Im 3. Kapitel des Briefes nach Galatien schreibt Paulus: Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Galater 3,26−27
Ein ungewöhnlicher Gedanke − nicht wahr! Aber ich finde, ein toller Gedanke. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Als eure Eltern, Patinnen und Paten euch taufen ließen, da seid ihr in ein Leben in enger Verbindung mit Christus "hineingeschlüpft" wie in ein neues Kleid. Manch einer hatte vielleicht damals sogar ein weißes Taufkleid. Seit dem vierten Jahrhundert wurde nämlich den in der Osternacht Getauften − es waren damals vor allem Erwachsene − ein weißes Kleid angelegt, nachdem sie dem Wasser entstiegen waren. Es ist das Zeichen dafür, dass sie das bisherige Leben mit allen Fehlern und allem Versagen hinter sich lassen und nun mit Christus ganz neu beginnen dürfen.
Die Taufe ist zwar einmalig, aber diese Erfahrung dürfen wir immer wieder machen.
Das Alte ablegen dürfen und neu beginnen.
Damit ist nicht alles verschwunden: Wunden bleiben und schmerzen immer wieder auch wenn sich Narben gebildet haben;
Versäumnisse oder Wunden, die ich anderen zugefügt habe oder mir zugefügt wurden, sind in mir wie gespeichert. Aber wenn ich um Vergebung gebeten habe oder anderen ihre Fehler nicht weiter zurechne, weil sie sich entschuldigt haben, kann diese Kleid ein Schutz sein. Bei eurer Konfirmation heute sagt ihr nun selber Ja zu diesem Leben aus dem Vertrauen auf Gott und in enger Verdingung mit Jesus Christus. Ihr dürft euch weiter von Jesus Christus umhüllt, bei ihm geborgen und gehalten, von Christus herausgefordert und geliebt erleben; Jesus Christus schützt und wärmt mich wie meine Kleidung, die ich anhabe. Ich bin von Christus umkleidet und gehalten. Dies ist die allerbeste "Markenkleidung" − unbezahlbar − unendlich wertvoll!
Darunter bin ich − in der Bibel steht da dann meist der "alte Mensch". Darunter bin ich mit meinen Stärken und Schwächen, mit meinem Können und meiner Freude an anderen, mit dem, wo ich Fehler mache und anderen weh tue. Ich − mit meinen Eigenarten, meinen Wünschen & Hoffnungen, Fragen & Enttäuschungen. Doch das alles ist umkleidet vom "Christus−Gewand".
Es verbindet mich mit allen anderen Getauften. Wir alle gehören zu Christus.
Ansatzweise haben wir dies in unserer sehr eingeschränkten Konfirmandenzeit versucht zu leben. Jede und jeder ist wichtig. Jeder und jede von Gott so geliebt, wie sie und er ist. Wir dürfen uns umhüllt von Christus weiterentwickeln ein Leben lang zu dem Menschen, der von Gott geliebt wie Jesus Gottes Liebe weiterträgt. Ich weiß, es gehört noch viel mehr dazu, damit euer Leben gut wird. Und das wusste auch der Apostel Paulus. Dafür möchte ich euch und uns noch ein weiteres Stück aus einem anderen Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Kolossä lesen. Da geht es auch um die Kleidung, die wir anziehen: So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Freundlichkeit und Geduld. Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorwirft. Wie der Herr euch vergeben hat, so sollt auch ihr vergeben! Und über all das legt die Liebe an. Sie ist das Band, das alles andere zusammenhält und vollendet. Und der Friede, den Christus schenkt, lenke eure Herzen. Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.
Und dafür sollt ihr dankbar sein!

Kolosser 3, 12−17
Also: was soll ich anziehen? Habt ihr es, haben sie es wahrgenommen − bevor hier gesagt wird, was ich noch alles an Eigenschaften darüber anziehen soll, wird mir gesagt: wer ich bin!
Du bist der/die Auserwählte Gottes, der/die Heilige und Geliebte.
In der Gemeinschaft aller Getauften sehen wir einander so. Wir achten und respektieren einander und lernen immer wieder aufzustehen und anderen Fehlern nicht zuzurechnen. Und so wünsche ich euch Mut und Kraft für euer Leben, eingehüllt in die Liebe Christi, mit Menschen an eurer Seite, die euch mit Gottes Augen anschauen und annehmen, so wie ihr seid und voll Vertrauen, dass Gott am Ziel eures Lebens euch erwartet.
Amen.
Pfarrerin Ursula Ullmann−Rau