Evangelische Kirchengemeinde Köngen
Beten und Geläut über den Tag
 
 
Beten und Geläut über den Tag
Eine Anregung von Pfarrerin Ursula Ullmann−Rau
 
Beten am Morgen
Morgens um 7.00 Uhr ruft die Glocke 2, die Gottvaterglocke uns zum Morgengebet.
Als Inschrift ist auf ihr zu lesen: Gott, der Vater, wohn uns bei und lass uns nicht verderben!
Ein neuer Tag beginnt. Was wird er bringen? Im Moment überschlagen sich die Nachrichten. Unsicherheit ist gewachsen. Aber auch Freude darüber, dass viele sich kümmern und an andere denken. Traurigkeit ist da, dass manche den Ernst der Lage noch nicht begriffen haben. Mich am Morgen im Gebet an Gott wenden und eintauchen, in den Halt und die Kraft, die das Vertrauen in Gott schenkt, hilft mir die Herausforderungen des Tages und der Zeit gelassen anzugehen.
Mein Gebet am Morgen lautet zurzeit:

Gott, dir vertrau ich mich an heute.
Sei du der Grund, der mich trägt
Sei du die Kraft, die mich aufrichtet
Sei du der Himmel, der mich hält
Dir öffne ich
meine leeren Hände
mein klopfendes Herz
meinen unruhigen Geist
Vor dir kann ich sein
In dir finde ich Frieden
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

nach Kirstin Faupel-Drevs

Gerne singe ich auch ein Lied, denn singen befreit und vertieft den Text in mir. Manch eine/r mag nicht singen und liest lieber einen Liedtext. Suchen Sie sich, such dir Lieblingslieder, die dir guttun und dich tragen. Für mich ist es gerade dieses Lied aus dem neuen Liederbuch NL 167 "Keinen Tag soll es geben"
Es können für Sie und Dich die ganz traditionellen Verse von
Die güldene Sonne (EG 444 oder EG 449),
Jesu, geh voran (EG 391),
Befiehl du deine Wege (EG 361),
Von Gott will ich nicht lassen (EG 365),
So nimm denn meine Hände (EG 376)
oder ein neues Lied sein.
Vaterunser und ein Segen können das Morgengebet beschließen:

Gott behüte uns vor allem Übel.
Gott behüte unsere Seel.
Gott behüte unseren Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit.
Amen.

Beten am Mittag
In Köngen läutet das Feldglöckchen, unsere Glocke 5, oben in der sogenannten Laterne des Turms um 11.00 Uhr. Da ist für mich gefühlt noch nicht Mittag. Diese Uhrzeit kommt aus früheren Zeiten, als die Menschen frühmorgens schon aufs Feld gegangen sind, daher auch ihr Name.
Ihre Inschrift lautet: O Land, Land, höre des Herrn Wort.
Das Beten am Mittag ist ein Innehalten mitten in der Arbeit. Mitten am Tag sich unterbrechen lassen, dazu ruft diese Glocke auf. Nicht unentwegt tätig sein, sondern aufatmen und an andere denken und für sie beten:

Manchmal
für einen Augenblick
halte ich ein, mitten im Trubel des Tages, schließe meine Augen
und meine Ohren und bin einen Augenblick
glücklich: Ich bin nicht allein, du bist da, mein Gott! Mittendrin.
Christa Weiss

In der Läuteordnung der Kirchengemeinde steht, dass dies Läuten um 11 Uhr in der Erinnerung an die Finsternis bei der Kreuzigung Jesu geschieht. Doch dies war "um die 6. Stunde" also um 12.00 Uhr.
15 Uhr Läuten zur Sterbestunde Jesu
Bei uns in Köngen läutet jeden Nachmittag um 15 Uhr die Glocke 3, die Christusglocke. In vielen Gemeinden geschieht dies nur am Freitag, denn dieses Läuten erinnert an die Sterbestunde Jesu am Karfreitag.
Die Christusglocke ist beschriftet mit: Beweis dein Macht, Herr Jesu Christ, der du Herr aller Herren bist.
Sicherlich ihr Läuten erinnert an den Tod Jesu. Wir wissen und können darauf vertrauen, dass, nicht der Tod das letzte Wort hat, sondern Gott, der an Ostern Jesus von den Toten auferweckt hat.
Zu diesem Läuten passen für mich aktuell diese persönliche Glaubenssätze von Dietrich Bonhoeffer. Er schrieb diese Worte 1943 in dem Text "Nach zehn Jahren", in dem er nachdenkt, was in der Zeit seit Adolf Hitlers Machtergreifung geschehen ist:
"Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet".
Wir sind hier in Deutschland erst wenige Tage und Wochen in einer sehr bedrängenden Situation. Unser Glauben hilft dabei, darauf zu vertrauen, dass wir diese Herausforderung gemeinsam meistern können und dass Gott uns dazu die Kraft geben wird Tag für Tag neu. Das geschieht nicht von allein, sondern braucht unser Beten und Handeln füreinander.
Beten am Abend
Es ist wieder die Glocke 2, die Gottvaterglocke, die um 18.30 Uhr vom Turm der Peter− und Paulskirche zum Abendgebet ruft.
Für das abendliche Gebet in Zeiten der Corona−Epidemie gibt es mittlerweile manche Anregung, sich in ganze Deutschland oder in kleineren Gebieten zu vernetzen. Da ist z.B. die Aktion "Wir halten uns fern und sind für einander da − Licht der Hoffnung!" Alle sind eingeladen, um 19.00 Uhr eine Kerze ins Fenster zu stellen, ein Gebet und ein Vaterunser zusprechen. Die EKD (Evang. Kirche in Deutschland) ruft auf zum Balkonsingen. Das bekannte Abendlied gemeinsam singen: Der Mond ist aufgegangen (EG 482) draußen im Garten, auf dem Balkon, am offenen Fenster oder ich finde, es darf auch drinnen sein. Mit dem letzten Vers denken und bitten um einen ruhigen Schlaf für uns selbst und für "den kranken Nachbarn" nebenan oder irgendwo auf der Welt.
Abends zu beten vor dem Schlafengehen hat eine lange Tradition und viele haben dies als Kindern gelernt und es bis heute beibehalten. Den Tag vor Gott bringen mit all dem was war an Schönem und Schwerem, macht dankbar und entlastet. Sich Gott anvertrauen angesichts der kommenden Nacht beruhigt. In den Klöstern werden Worte aus Psalm 91 zu jeder Nacht gebetet:

"Er wird dich mit seinen Fittichen decken,
und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,
dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht,
vor den Pfeilen, die des Tages fliegen,
vor der Pest, die im Finstern schleicht,
vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.
Denn der Herr ist deine Zuversicht,
der Höchste ist deine Zuflucht…"

aus Psalm 91

Diese Worte lassen mich hellhörig werden für Gottes Wort in schwerer Zeit. Sie können jetzt Zuversicht und Halt geben. Wir sind zwar nicht dagegen gefeit, dass uns das Virus doch erreicht. Aber dennoch sind wir in Gottes Hand geborgen. Das Vertrauen in Gott schenkt Zuversicht. Bei Gott finden wir Zuflucht mit unserem Gebet. Als von Gott geliebte mögen wir verantwortungsvoll umgehen mit dem eigenen Körper, mit der Situation anderer (evtl. schwächerer) Menschen. Die Liebe gibt mir den Blick für das Wesentliche.
Am Samstagabend wird um 18.00 Uhr der Sonntag eingeläutet und an die Auferstehung Jesu Christi gedacht.
Einen reichen Fundus an Gebeten gibt es im Evangelischen Gesangbuch im grünen Teil ab Seite 1431. Dort sind Gedanken zum Beten und Gebete für den Tag und verschiedene Anlässe abgedruckt. Außerdem sind im Regionalteil ab S. 1199 Gebete und Lieder für die Tageszeiten zu finden.
Ich wünsche Ihnen und Euch von Herzen Gottes Kraft und Gelassenheit.
Bleiben Sie behütet und geborgen in Gottes Liebe!
Ihre/Deine Pfarrerin Ursula Ullmann−Rau