Evangelische Kirchengemeinde Köngen
 
 
 
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20211220
20.12.2021
Prophetinnen.
Predigt vom 20. Dezember 2021, 4. Advent
Debora, Elena, Elisabeth, Greta, Hulda, Margot, Maria, Mirjam, Noadja, Sibylle und viele andere mehr.
Liebe Gemeinde, heute Morgen geht es um Frauen, die die Zeit ansagen.
Sie sind von Gottes Geist erfüllt. Und so wissen sie und sagen, was jetzt dran ist.
Prophetinnen, nennen wir solche Frauen. Für andere Menschen, Frauen und Männer, Jungen und Mädchen sagen Debora, Elena, Elisabeth, Greta, Hulda, Margot, Maria, Mirjam, Noadja, Sibylle und andere, was jetzt wichtig und zu beachten ist.
Dass ich heute Morgen Frauen erwähne, liegt an Lukas, dem Evangelisten.
Im 1. Kapitel seines Evangeliums lässt Lukas zwei Prophetinnen zu Wort kommen:
ein Mädchen und eine Greisin. Maria und Elisabeth.
Zwei Frauen, die zurzeit Jesu eigentlich in unseren Augen nicht viel zu sagen hatten.
Aber zum einen schert sich Gott nicht um unsere Ansichten. Und zum anderen ist unser Denken oft in Schablonen gefangen, die gar nicht die ganze Wirklichkeit zeigen.
Gott hatte Großes vor mit Elisabeth und Maria.
Wer sind die beiden?
Manche wissen es.
Elisabeth ist mit Johannes verheiratet. Ihr Mann ist Priester. Der Glauben an den einen Gott gehört zu ihrem gemeinsamen Leben. Viele Jahrzehnte sind sie schon verheiratet. Aber sie sind kinderlos und das war damals besonders für Frauen ein Makel.
Das Vertrauen in Gott aber trug sie auch dann im Leben.
Eines Tages konnte Zacharias nicht mehr sprechen, als er vom Tempeldienst in Jerusalem zu seiner Frau zurückkehrt. Die Botschaft eines Engels hat ihn sprachlos gemacht.
Sie werden einen Sohn bekommen. Als Elisabeth merkt, dass sie schwanger ist, zieht sie sich 5 Monate völlig zurück. Elisabeth braucht Zeit für sich. Sie nimmt sich Zeit für das werdende Leben − Johannes, ihren Sohn, der einmal Bote sein wird für den Kyrios, für den von Gott gesandten Herrn. Elisabeth zieht sich aus dem Alltag zurück; ihr Sohn Johannes wird später in die Wüste gehen − solche Auszeiten, wo Menschen sich Zeit nehmen vor Gott das eigene Leben zu bedenken, sind ein großer Gewinn.
Als Elisabeth im 6. Monat schwanger ist, bekommt ein junges Mädchen Maria Besuch von Gabriel. Gott hat sich stark gezeigt, so heißt dieser Engel, das bedeutet sein Name Gabriel. Gott hat sich stark gezeigt: Gott lässt seinen Sohn durch ein unverheiratetes Mädchen zur Welt kommen. Das Mädchen Maria lebt in einem abgelegenen Provinznest. Skandalös ist ihre Schwangerschaft in den Augen vieler. Wenn Maria Pech gehabt hätte, wären sie und Jesus durch Steinigung deshalb umgebracht worden.
Gottes Stärke ist es, das Niedrige und Schwache hochzuschätzen, dies wird Maria als Prophetin bald bekanntgeben.
Auch Maria ist tief im Glauben verwurzelt. Sie kennt die alten Gebete und Lieder ihres Volkes. Im Herzen trägt sie das Lied der Hannah: „Mein Herz ist voll Freude über den Herrn. Der Herr hat mich wieder stark gemacht. Mein Mund lacht über meine Feinde. Denn ich freue mich über deine Hilfe.„
Mit alten und neuen Liedern unseren Glauben kundtun und einander zu singen, gehört in unsere Glaubenstradition und stärkt unser Vertrauen in Gott.
Mit dir, Maria, singen wir von Gottes Heil in unserer Zeit. Uns trägt die Hoffnung, die du trugst − es kommt der Tag, der uns befreit.
 −diesen Refrain eines neuen Adventsliedes lernen wir gemeinsam.
Debora, Elena, Elisabeth, Greta, Hulda, Margot, Maria, Mirjam, Noadja, Sibylle und viele andere mehr − heute Morgen geht es um Frauen, die die Zeit ansagen.
Sie sind von Gottes Geist erfüllt. Und so wissen sie und sagen, was jetzt dran ist. Auch heute gibt es junge Mädchen und alte Frauen, die die Zeit ansagen.
Eine davon ist Greta Thunberg. Greta Thunberg hat ganz allein mit ihrem Klimastreik begonnen minus; im Sommer 2018 begann sie allein freitags ihren Schulstreik für das Klima. Fridays for future − eine weltweite Bewegung vor allem junger Menschen wurde daraus. Heute ist das Thema Klimawandel in aller Munde und wird hoffentlich noch mehr umgesetzt.
Eine greise heutige Prophetin ist Margot Friedländer. Gerade 100 Jahre alt geworden.
In ihrer Heimatstadt Berlin hat sie Geburtstag gefeiert. Warum das ungewöhnlich ist?
Sie hat in Berlin als junge jüdische Frau die Shoa, die Ermordung von Millionen jüdischer Menschen überlebt. Ihre Eltern und ihr Bruder wurden ermordet. Margot lebte in Berlin in verschiedenen Verstecken. Sie färbte sich die schwarzen Haare tizianrot und ersetzte den Judenstern durch eine Kette mit Kreuz. Sie ließ ihre Nase operieren bzw. verändern, um nicht dem Vorurteil über das Aussehen von Juden zu entsprechen und so als Jüdin erkannt zu werden. Im Frühjahr 1944 geriet sie in eine Kontrolle von „Greifern“ ? Juden, die im Auftrag der SS andere Juden aufspüren und ausliefern sollten. Sie wurde verhaftet und in das Ghetto Theresienstadt gebracht.
Dort traf sie Adolf Friedländer wieder, den sie von ihrer Arbeit als Kostümschneiderin beim Jüdischen Kulturbund kannte, wo er Leiter der Verwaltung war. Auch er hatte seine gesamte Familie verloren. Gemeinsam überlebten Margot und Adolf den Holocaust, heirateten und reisten 1946 per Schiff nach New York. Dort nahmen sie die US−amerikanische Staatsbürgerschaft an. Nach dem Tod ihres Mannes besuchte Margot Friedländer einen Kurs im „Memoirenschreiben“ und verfasste ihre Autobiografie, die unter dem Titel „Versuche, dein Leben zu machen“ auch auf Deutsch erschienen ist. Jetzt erst wagte sie es, in ihre Geburtsstadt zu reisen. 2010 beschloss sie, endgültig nach Berlin zurückzuziehen.
Gott sei Dank, dass diese Frau bis heute erzählen kann, was sie erlebt hat. Ich tue es für Euch: Was wir von einer hundertjährigen Holocaustüberlebenden über Vergebung, Hoffnung und Toleranz lernen können − so der Titel ihres neuen Buches.
Und noch eine dritte Prophetin will ich kurz erwähnen.
Sie kam in meiner Adventsandacht schon einmal vor: Elena Semechin geb. Krawzow. Die 28−jährige Schwimmerin hat nur 2% Sehkraft. Sie wurde 2021 sowohl Olympiasingerin über 100m Brustschwimmen als auch Para−Sportlerin des Jahres.
Und im gleichen Jahr wurde ein Gehirntumor bei ihr festgestellt und operiert. Sie hatte schon wieder zuversichtlich mit dem Training begonnen, als festgestellt wurde, dass noch Bestrahlung und Chemotherapie nötig sind. Diese Nachricht hatte sie kurz vor ihrem Auftritt im „aktuellen Sportstudio“ am Samstag 27. November erhalten. Doch Elena lässt sich nicht unterkriegen und sagt: Die Krebszellen wissen noch gar nicht, mit wem sie sich da angelegen. Denen werde ich zeigen, zu was ich fähig bin. Ich wünsche ihr, dass es wie beim Torschuss an diesem Abend sein wird. Elena, die wie gesagt nur über 2% Sehkraft verfügt, versenkte beim Torwandschießen gleich den 1. Schuss. Sie hüpfte immer wieder hoch vor Freude und hörte gar nicht mehr auf zu klatschen. Wie Maria kennt sie Tränen und Leid und bleibt doch voller Hoffnung.
Debora, Elena, Elisabeth, Greta, Hulda, Margot, Maria, Mirjam, Noadja, Sibylle und viele Prophetinnen mehr ermutigen Frauen und Männer, Mädchen und Jungen überall auf der Welt in ihrem Leben. Hören wir den biblischen Text für heute aus dem Lukasevangelium, der erzählt wie Maria und Elisabeth ihr Vertrauen in Gott gestärkt hat ihr Leben anzunehmen und anzusagen, was jetzt dran ist.
Lukas 1, 26−48 (Lutherübersetzung)
Die Ankündigung der Geburt Jesu
26Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth,
27zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria.
28Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrü,ßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir!
29Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das?
30Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Du hast Gnade bei Gott gefunden.
31Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben.
32Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben,
33und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.
34Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Manne weiß?
35Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.
36Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter, und ist jetzt im sechsten Monat, sie, von der man sagt, dass sie unfruchtbar sei.
37Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.
38Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr. Marias Besuch bei Elisabeth
39Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt in Juda
40und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.
41Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt
42und rief laut und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes!
43Und wie geschieht mir, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe.
45Ja, selig ist, die da geglaubt hat! Denn es wird vollendet werden, was ihr gesagt ist von dem Herrn.
Marias Lobgesang
46Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn,
47und mein Geist freuet sich Gottes, meines Heilandes;
48denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder.
49Denn er hat große Dinge an mir getan, der da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
50Und seine Barmherzigkeit währet für und für bei denen, die ihn fürchten.
51Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
52Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen.
53Die Hungrigen füllt er mit Gütern und lässt die Reichen leer ausgehen.
54Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf,
55wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.
56Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate; danach kehrte sie wieder heim.